Geothermie

Geretsried: Forscher untersuchen Bohrkerne

20. August 2017

Vielversprechende Untersuchungen in Geretsried

Untersuchung der Bohrkerne in Geretsried
Untersuchung der Bohrkerne in Geretsried
 

Auf dem Bohrplatz nahe der Herrnhauser Straße brummen konstant einige Maschinen. Ansonsten hört und sieht man nicht sehr viel. Hin und wieder überquert ein Mitarbeiter des Bohrtrupps das Areal. Hoch oben auf dem Bohrturm ist ein Arbeiter im Blaumann zu sehen. Gut gesichert steht der „Monkey Man“ auf einer Arbeitsbühne in schwindelerregender Höhe. Seine Aufgabe ist es, das Bohrgestänge in den Drehkopf ein- und auszuhängen.

„Derzeit wird viel Zeit in das Forschungsprojekt gesteckt“, erklärt Dr. Robert Straubinger beim Ortstermin. „Es sind einige Doktoranden von der TU München da, die die Bohrkerne untersuchen“, so der Geschäftsführer von Enex Power Germany. Nach der ersten, nicht erfolgreichen Geothermie-Bohrung wagt die Enex Power Germany heuer mit Hilfe von Investoren sowie der Wissenschaft einen zweiten Versuch.
Wie berichtet wird für die derzeitige Bohrung ein Teil des bestehenden, über 6.000 Meter langen Bohrlochs genutzt: Der neue Pfad zweigt bei 4.000 Metern ab. „Momentan sind wir bei 5.160 Metern“, erläutert Straubinger. „Ankommen wollen wir bei 5.700 Metern.“ Das Ziel sind Kluftzonen, ähnlich wie sichtbare Risse im Felsgestein, durch die hoffentlich heißes Wasser fließt.

Inzwischen wurden auf dem Bohrplatz auch vier Testwasserbecken eingerichtet – eines mehr als bei der ersten Bohrung vor vier Jahren. Straubinger schätzt, dass in zwei bis drei Wochen mit den ersten Säuerungs- und Pumpversuchen begonnen werden kann. Enex rechnet damit, auf 150 Grad heißes Wasser zu stoßen. An der Erdoberfläche wird es auf unter 35 Grad abgekühlt, in den großen Bassins zwischengelagert und dosiert in den Loisach-Isar-Kanal geleitet – sofern die vorher durchgeführten Laboranalysen zur Zusammensetzung des Thermalwassers sämtliche Grenzwerte einhalten. Durch die Einleitung erwärme sich das Wasser im Kanal maximal um ein halbes Grad, so Straubinger. Später, im regulären Förderbetrieb, bleibt das Thermalwasser in einem geschlossenen Kreislauf – bis zur Reinjektion über die zweite Bohrung, also die Rückführung des Wassers ins Erdinnere.

Während die Handwerker in zwei Schichten auf dem Bohrturm arbeiten, beschäftigen sich die Wissenschaftler mit dem, was bereits aus der Tiefe gefördert wurde: Sie untersuchen die Gesteinsproben auf fossile Inhalte. „Das Ziehen der Bohrkerne hält uns ganz schön auf“, räumt der Physiker Straubinger ein. „Aber es hilft uns auch sehr.“ Weil das Fördern der beiden Proben problematisch war (das Gestein zerbrach und verkeilte sich), wird dieser Vorgang nun ausgesetzt und soll später fortgesetzt werden. „Es dauert jeweils 14 Stunden, bis der Bohrkopf unten angekommen und wieder oben ist.“

Die beiden Proben stammen aus einer Bohrtiefe von 5.018 und 5.035 Metern und unterscheiden sich schon rein optisch: Die eine ist schwarz, die andere mittelgrau mit helleren Linsen und weißen Linien durchzogen. Die Linsen deuten auf Spuren von Lebewesen hin. „Die sehen aus wie Grabgänge von Wattwürmern“, sagt Dr. Inga Moeck vom Leibniz-Institut für Angewandte Geophysik (LIAG). Die Wissenschaftlerin findet das spannend: „Das ist ein Beitrag zur Geologie Bayerns. Niemand hat vorher Gestein aus einer solchen Tiefe und aus einer Zeit vor 150 Millionen Jahren von diesem Ort gesehen.“

Seit ein paar Tagen treten beim Bohren vermehrt „deutliche“ Spülungsverluste auf. „Damit bestätigt sich der kluftkontrollierte Speicherbereich in dieser enormen Tiefe“, freut sich Moeck. Zu den Verlusten kommt es, wenn man auf offene, wassergefüllte Klüfte trifft.

Quelle: Merkur