Geothermie

Gilching und Gauting wollen über gemeinsames Projekt verhandeln

29. November 2017

Geothermie im Gewerbegebiet

Schnitt durch das Voralpenland
Schnitt durch das Voralpenland
 

Gilchings Kommunalpolitiker dürften demnächst in einen gewissen Interessenkonflikt geraten: Sie werden das Angebot erhalten, sich an einem Geothermie-Projekt der Nachbargemeinde Gauting zu beteiligen. Allerdings soll die Erdwärme ausgerechnet in einem Teil des Gewerbegebiets gefördert werden, das sie so vehement ablehnen. Seit wenigen Tagen liege eine Studie vor, die belege, dass sich die Anlage rentabel betreiben ließe, berichtete am Mittwoch der Projektentwickler Bernd Schulte-Middelich: "Das wird eine absolut wirtschaftliche Lösung."

Der Geschäftsführer der Astopark GmbH arbeitet dabei mit Hydrogeologen der Münchner Fachfirma Erdwerk und der österreichischen Bohrfirma RAG zusammen. Den Claim - also die Bergrechte - hat sich die aus Gemeinde und Astopark bestehende Entwicklungsgesellschaft gesichert, die auch das Gewerbegebiet realisieren will. Für kommenden Montag ist ein internes Treffen der Partner anberaumt, um die Ergebnisse der Untersuchung zu besprechen. Die Förderung könnte im günstigsten Fall Ende 2019 beginnen, sagte Schulte-Middelich im Rahmen eines Pressegesprächs, bei dem die Gautinger Bürgermeisterin Brigitte Kössinger ihre Gewerbegebietspläne gegen die Vorwürfe von Kritikern aus Gilching verteidigte.

Vor allem die Größenordnungen, die in der Debatte sind, ärgern sie. So ist in einer Mitte November veröffentlichten Mitteilung des Aktionsbündnisses "Pro Bannwald" immer noch von einem 70 Hektar großen Gewerbegebiet die Rede. Tatsächlich wurde der Planungsumgriff mittlerweile auf knapp 60 Hektar reduziert, nur ein Drittel davon wird bebaut. Die Initiative wollte am Mittwochabend bei einer Veranstaltung in Geisenbrunn gegen das "Mega-Gewerbegebiet Gauting" mobil machen - "mit Behauptungen, die so nicht stimmen", wie Kössinger sagt.

Die Bürgermeisterin relativierte auch die Bedeutung des Bannwalds, der geopfert werden muss, und sprach von "wertlosem Fichtenwald". Dabei geht es um eine Fläche von knapp 30 Hektar, was der Größe von 42 Fußballfeldern (FIFA-Norm) entspricht. Als Ersatz werde in unmittelbarer Nähe etwas mehr und wertvollerer Bannwald aufgeforstet, beteuerte Kössinger. Sie verwahrt sich zudem gegen Unterstellungen, die jetzt geplanten Gewerbeflächen seien erst der Anfang: Eine spätere Erweiterung sei nicht vorgesehen, nach Süden sei das wegen eines Wasserschutzgebiets gar nicht möglich. Außerdem hält sie die Anbindung an die Autobahn für ideal.

Ein aktualisierter Bebauungsplanentwurf soll spätestens bis März öffentlich vorgestellt werden. Die Gemeinde sei auf die Ausweisung neuer Flächen für die Ansiedlung von Firmen angewiesen, um ihre bisher vergleichsweise geringen Gewerbesteuereinnahmen zu erhöhen, sagte Kössinger. Ihre Sicht der Dinge und Stand der Planungen sind auf der Homepage der Gemeinde veröffentlicht. Dort läuft das Projekt unterm Titel "Asto Ecopark Gauting".

Auch der Gautinger Vize-Bürgermeister Jürgen Sklarek (SPD) ist für das Gewerbegebiet. Am Mittwochabend wollte er sich einmal anhören, was seine Parteifreunde in Gilching so sagen, die unter anderem mit ÖDP, Linken und Grünen in dem Aktionsbündnis gegen die Ausweisung engagiert sind.

Quelle:  Sueddeutsche Zeitung