Projekt Bernried

Optimaler Versicherungsschutz

29. Juni 2012

 


Mehrstufiges Messnetz zur Beweissicherung

Schwingungsmessgerät
Schwingungsmessgerät

Verursacherprinzip plus Versicherungen als Garant für Sicherheit

Schon vor dem Bohrbeginn stehen zahlreiche Schutzmaßnahmen, die die Behörden einfordern, bevor überhaupt gebohrt werden darf: Schutzwälle, Sicherheitsventile, Rückhaltebecken, Fluchtwege und vieles mehr. Aber was, wenn doch mal etwas schief gehen sollte?

Mit Achim Fischer-Erdsiek war ein profunder Kenner geothermiespezifischer Versicherungsfragen beim Regionalforum Geothermie am 26.06.2012 zu Gast. Denn Fischer-Erdsieks Unternehmen 'Dr. Schmidt & Erdsiek Gruppe' ist darauf spezialisiert, Bohrfirmen und Investoren von Geothermie-Projekten zu versichern. Und so konnte Herr Fischer-Erdsiek zusammen mit Lutz K. Stahl (Geschäftsführer BE Geothermal, BEG) und Manfred Koch (Versicherungskammer Bayern) genau aufzeigen, wie in Bernried für den Fall eines Schadens alles gut geregelt ist.

Sieben Regeln zeigen den umfassenden Schutz auf:

  1. Grundsätzlich gilt für alle am Projekt Beteiligten: Wer Schäden verursacht, muss dafür bezahlen.
  2. Um Geschädigten eine Vielzahl von Ansprechpartnern und Diskussionen zu ersparen, richten diese ihre Forderungen direkt an den Projektbetreiber BE Geothermal. Dieser entschädigt direkt und nimmt den verursachenden Dienstleister dann in die Pflicht.
  3. Alle Dienstleister (z.B. Bohrfirmen, Transporteure, Maschinenbauer) müssen einen umfassenden Haftpflicht-Versicherungsschutz vorweisen, der Geothermie-Risiken explizit einschließt. Herr Fischer-Erdsiek prüft alle Verträge und stellt sicher, dass es keine Versicherungslücken z.B. an Verantwortungsschnittstellen gibt.
  4. BE Geothermal selbst verfügt über einen umfassenden Versicherungsschutz: Während der Bohrphase werden Personen- Umwelt-, Sach- und Bergschäden in Höhe von 10 Mio. Euro, in der Betriebsphase voraussichtlich sogar von 20 Mio. Euro versichert.
  5. Weitere Sicherheit kommt von Seiten der Gemeinde: Da die Gemeinde zusammen mit BE Geothermal Eigentümerin der Aufsuchungserlaubnis ist, haftet sie ebenfalls - allerdings erst, wenn die Möglichkeiten der BEG ausgeschöpft sind. Die Gemeinde Bernried besitzt über ihre kommunale Haftpflichtversicherung bei der Versicherungskammer Bayern wie alle bayerischen Kommunen unbegrenzten Versicherungsschutz.
  6. Mit allen Versicherern wird vorab klar definiert, wie Schadensmeldungen behandelt werden: Der entsprechende Sachverständige ist von Anfang an benannt, Meldewege und Handlungsroutinen sind festgelegt, ebenso wie das Prozedere, mit dem der Schaden erfasst wird. Dadurch können Schäden minimiert und Geschädigte schnellstmöglich entschädigt werden.
  7. Für eventuelle Streitigkeiten mit Versicherungen wird die Gemeinde Bernried einen Ombudsmann benennen, der den Rechten der Bürger - wo nötig - mehr Nachdruck verleiht.

Diese Ausführungen wurden dankbar aufgenommen. Robert Zucker, Geschäftsführer der Klinik Höhenried: "Risiken abzuwägen, um Schaden von der Klinik abzuwägen, gehört mit zu meinen Aufgaben. Ich habe den Eindruck, der Versicherungsschutz der BE Geothermal ist durchdacht, umfassend und schlüssig. Sollte wider Erwarten ein Schadensfall eintreten, bin ich nach dem heutigen Abend sehr zuversichtlich, dass wir mit BE Geothermal und deren Versicherern kompetente Partner haben, die ihren Verpflichtungen nachkommen und mit denen es gelingen wird, Lösungen zu finden."

Induzierte Mikroseismizität - Messnetz zur Beweissicherung

Seismizität in Deutschland seit 1200 Jahren (anklicken für größere Ansicht)
Seismizität in Deutschland seit 1200 Jahren (anklicken für größere Ansicht)

Schon seit Ende der neunziger Jahre gibt es in Bayern Geothermie-Kraftwerke - und noch nie sind dadurch Schäden entstanden. Lutz K. Stahl schenkte dennoch der Hauptsorge einiger Bürger erneut besonderes Augenmerk. "Hier in der bayerischen Molasse geht das Risiko für Erdbeben gegen Null. In den letzten 1.200 Jahren wurde rings um den Starnberger See kein einziges Beben beobachtet, das Schäden verursacht hätte. Das deutet darauf hin, dass es hier in der Tiefe kaum Spannungen gibt, die durch Tiefbohrungen o.ä. gelöst werden könnten. Auf Bernried bezogen heißt das: Wenn es hier jemals zu Erdbeben kommen sollte, dann werden diese so gering sein, dass es niemand spürt und es keine Schäden geben wird. Nichtsdestotrotz nehmen wir die Sorgen der Menschen hier ernst und sorgen für eine verlässliche Beweissicherung."

Bereits jetzt vor Beginn der Bohrungen sind rings um das geplante Kraftwerk durch die Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) vier von fünf hochsensiblen Seismometern installiert worden, die jedes noch so kleine Knistern im Boden aufzeichnen und direkt an den Landeserdbebendienst Bayern melden. Mit diesen Daten können Experten die Quelle eines seismischen Ereignisses genau lokalisieren.

Sobald das Kraftwerk in Betrieb geht, werden zusätzlich ca. zehn so genannte Schwingungsmessgeräte installiert: Diese erfassen die Vibrations-Geschwindigkeit, die über der Erde entsteht (z.B. durch Bahnverkehr, Presslufthammer). In der DIN 4150-3 sind strenge Grenzwerte festgelegt, die nicht überschritten werden dürfen, um Schäden zu vermeiden. Als kritisch angesehen wird 3 mm/sek Schwinggeschwindigkeit. Bleiben die gemessenen Geschwindigkeiten darunter, kann davon ausgegangen werden, dass keine Schäden entstanden sind - auch nicht am empfindlichsten denkmalgeschützten Gebäude. Diese DIN-Norm ist das Resultat jahrzehntelanger Beobachtungen.

Sämtliche Daten werden außerdem von der LMU in einem großen Forschungsprojekt des Bundesumweltministeriums ausgewertet: Die Forscher wollen wissen, ob es einen Zusammenhang zwischen Geothermie und Mini-Beben gibt.

Lutz K. Stahl: "Durch dieses zweistufiges Messnetz kann man eindeutig und objektiv feststellen, wo ein Beben seinen Ursprung hat und wie stark seine Auswirkungen sind. Ist das Kraftwerk die Ursache, so müssen wir entschädigen, da gibt es keine Zweifel." Herr Fischer-Erdsiek ergänzte, dass auch die Versicherer diese Schwellenwerte und die DIN-Norm anerkennen.

Keine Bauruinen

Auch auf die Frage, ob es eine Versicherung gibt, die sicherstellt, dass alle Anlagen zurückgebaut werden, sollte es BEG einmal nicht mehr geben, lieferte Lutz K. Stahl eine Antwort: Eine solche Versicherung ist unnötig, denn BEG muss noch vor Baubeginn Geld, so genannte Bürgschaften, beim Landratsamt und dem Grundstückseigentümer hinterlegen, das genau dafür gedacht ist.

Versicherungsprämie als Risikoindikator

Aus den Erläuterungen von Herrn Fischer-Erdsiek, wie Versicherungen arbeiten, wurde noch etwas deutlich: Auch die Versicherung schätzt das Risiko für gravierende Haftpflichtschäden als gering ein. Denn obwohl die Deckungssumme mit 20 Mio. Euro sehr hoch ist, ist die zu zahlende Prämie eher gering. Versicherungen berechnen ihre Prämien mit Statistiken und Erfahrungswerten, wie oft bestimmte Schäden vorkommen.

Anders sieht das bei Bohrrisiko- und Fündigkeitsrisikoversicherungen aus: Diese kosten im Verhältnis deutlich mehr, denn dass ein Bohrer im Bohrloch stecken bleibt oder eine Bohrung nicht ausreichend Wasser findet, hat es in der Vergangenheit schon gegeben. Gravierende Umwelt- oder Erdbebenschäden gab es bislang jedoch nicht: Im vielzitierten Landau wurden bislang lediglich Schäden (meist Putzrisse) im Wert von 9.000 Euro beglichen. "Das ist natürlich trotzdem ärgerlich für die Betroffenen, aber für Versicherungen sind solche Schäden sehr gering", so Fischer-Erdsiek.

Alle Fragen geklärt

Helmut Scherbaum, Dritter Bürgermeister: "Wir als Gemeinde sind bei unserer Haftpflichtversicherung mit dem unbegrenzten Versicherungsschutz bei der Erfüllung kommunaler Aufgaben, zu denen das Geothermieprojekt zählt, in einer sehr komfortablen Lage. Aber auch Herr Fischer-Erdsiek hat heute für die Versicherung von BE Geothermal sehr glaubhaft dargestellt, dass schon seit Jahren alles sorgfältig bedacht wurde und unsere Bürger sich keine Sorgen zu machen brauchen: BEG ist optimal versichert. Außerdem ist es gut zu hören, dass man sich heute schon überlegt, wie Schäden schnellstmöglich beglichen werden können. Daher vertraue ich darauf, dass etwaige Geschädigte nicht von Pontius zu Pilatus rennen müssen, um eine Regulierung ihres Schadens zu erhalten."